Gliederung VORBEMERKUNG ZU EINEM „PÄDAGOGISCHEN PROFIL“ DES STÄDTISCHEN  GYMNASIUMS IM RAHMEN UNSERES ANTRAGES ZUR  TEILNAHME AM G9 (NEU) MODELLPROJEKT DER LANDESREGIERUNG 01 ZUR BEGRÜNDUNG DER ENTSCHEIDUNG, AM SCHULVERSUCH G9 (NEU) TEILZUNEHMEN 02 FÜR EIN GYMNASIUM DER ZUKUNFT  PÄDAGOGISCHE ORIENTIERUNG(EN) AM  SGL 04 I. ORIENTIERUNGSPUNKTE EINES PÄDAGOGISCHEN KONZEPTS FÜR DEN SCHULVERSUCH G9 (NEU) AM SGL 04 1.1 „SCHÜLERORIENTIERUNG IM SINNE EINER SELBSTVERANTWORTUNG FÜR DAS EIGENE LERNEN   04 1.2 VERANTWORTLICHKEIT 05 1.3ARBEIT IN PROFESSIONELLEN TEAMS 06 II. VORSTELLUNGEN FÜR DIE UMSETZUNG UNSERER PÄDAGOGISCHEN LEITLINIEN IM UNTERRICHT 07 III. SKIZZE ZUR UMSETZUNG DES PÄDAGOGISCHEN KONZEPTS 10 3.1 ZUR UMSETZUNG VON SCHÜLERORIENTIERUNG 10 3.2 ZUR UMSETZUNG EINER KULTUR DER VERANTWORTLICHKEIT 11 3.3 ZUR STÄRKUNG VON TEAMSTRUKTUREN 13 Vorbemerkung zu einem „Pädagogischen Profil“ des Städtischen Gymnasiums im Rahmen unseres Antrages zur Teilnahme am G9 (NEU) Modellprojekt der Landesregierung In    der    zweiten    Hälfte    der    90er    Jahre    gehörte    das    Städtische    Gymnasium    zu    den    ers-    ten    Schulen,    die    im    Kreis    Herford    am    sog.    “Bertelsmann-Projekt“    (später    Schule   &     Co)     teilgenommen    haben.    Im     Rahmen     dieses    Projektes     entwickelte    die     Schule    zahl-     reiche    Bausteine    im    Bereich    der    pädagogischen    Unterrichtsentwicklung.   Insbesonde-     re     standen     das     eigenverantwortliche     Lernen     (vor     allem)     in     der     Erprobungsstufe,     die     Erweiterung     des     Methodenrepertoires     durch     systematisches   Methodentraining,    un-    terschiedliche    Förderkonzepte    sowie    Module    zur    Medienerziehung    im    Mittelpunkt    un-    serer schulischen    Entwicklungsarbeit Obwohl    zahlreiche    Elemente    Eingang    in    das    Schulprogramm    fanden,    führte    unter     anderem    die    in    den    vergangenen    Jahren    -    durch    die    Verkürzung    der    Schulzeit   sich      zusätzlich     verschärfende     -     zunehmende     Arbeitsverdichtung     bei     Lehrerinnen     und     Leh-      rern      sowie      bei      Schülerinnen      und      Schülern      dazu,      dass      die   Weiterentwicklung    und    Pflege    dieser    Bausteine    weitgehend    auf    der    Strecke    blieb.    Auch    die    systematische     Implementierung    und    Vernetzung    der    einzelnen    Module   gelang    kaum.    Die    Umset-    zung    der    von    uns    in    den    vergangenen    Jahren    entwickelten    unterrichtlichen    und    au ßerunterrichtlichen    Konzepte    liegt       wenn    man    so    will       überwiegend    im    Verantwor-    tungsbereich der   einzelnen    Kolleginnen und Kollegen. Mit    der    Rückkehr    zu    G9    verbindet    die    Schule   nun    auch    die    Hoffnung,    mit   einem    Mehr    an    Zeit    auch    eine    „Rückkehr    der    Pädagogik“    in    unsere    Schulentwicklungsarbeit   ein-     leiten    zu    können.    Im    Rahmen   der    intensiven    Auseinandersetzung   über   die   Teilnahme     am    Schulversuch    ist    überaus    deutlich    geworden,    dass    bei    den    Befürwortern   aus     den     Kreisen     der     Kolleginnen     und     Kollegen,     der     Schülerinnen     und     Schüler     und     der     Eltern     vor     allem     zukunftsorientierte     pädagogische     Orientierungen     im   Vordergrund    stehen.    Die    Motivation    für    unseren    Antrag    speist    sich    deshalb    nicht    allein    durch    einen    „Weg-    von-G8-Kurs“,    sondern    mindestens    ebenso    sehr    durch    einen   konstruktiven    „Hin-zu-     mehr    Zeit    zum    Lernen-Kurs“,    der    die    vielschichtigen    negativen    Folgen    von    G8    für    die    Schülerinnen   und    Schüler   allerdings    gleichzeitig   spürbar einzudämmen versucht. Vor      diesem      Hintergrund      ist      mit      dem      vorliegenden      „Pädagogischen      Konzept“      das     An-      liegen      verbunden,      bereits      entwickelte      Schulentwicklungsprojekte   wiederzubeleben,     sie    zu    bündeln    und    zu    systematisieren,    sie    zu    vernetzen    und    strukturell    zu    verankern.     Wir     beschränken    uns    dabei    überwiegend    auf    die    Formulierung   eines    pädagogischen     Profils,    das    im    Zusammenhang    mit    unserm    Antrag    auf    G9    steht.    auf    weitergehende     Überlegungen     zu     einem     umfassenden     Pädagogischen   Konzept    verzichten    wir    an    dieser Stelle Zur Begründung der Entscheidung, am Schulversuch G9 (NEU) teilzunehmen Das     Gymnasium     steht         nach     wie     vor         vor     zentralen     gesellschaftlichen     und     bil-     dungspolitischen    Herausforderungen.    Dynamische    soziale    Wandlungsprozesse,   eine    sich    rasant    verändernde    soziale    Lebensrealität    von    Kindern,    Jugendlichen    und    El-    tern,    ausgesprochen    heterogene    Lernvoraussetzungen    von    Schülerinnen    und   Schü-     lern,     die     Zunahme     von     Schülerinnen     und     Schülern     mit     Migrationshintergrund         um     hier    nur    einige    Aspekte    anzureißen       stellen    das    Gymnasium    vor    die   Aufgabe,    seine    Rolle    als    weiterführende    Schule,    die    ihre    gesellschafts-    und    schulpolitische    Aufgabe    ernst   nimmt,   (neu) zu    definieren. Das      Städtische      Gymnasium      Löhne      hat      sich      vor      diesem      Hintergrund      dazu      entschlos-      sen,      an      dem      Modellprojekt      G     9      (neu)      teilzunehmen.      In      der   erziehungswissenschaftli-     chen    Diskussion    ist    es    weitgehend    unstrittig,    dass    es   für    die    Mehrzahl    der    Kinder    und     Jugendlichen     eine     positive     Korrelation     zwischen   Lernzeit    und    Lernerfolg    gibt.    Diese    Erkenntnis    deckt    sich    mit    den    Erfahrungen    an    unserer    Schule,    und    zwar    in    vielerlei    Hinsicht:    Sowohl    die    Lehrerinnen    und    Lehrer   als    auch    die    in    die    Entscheidung    einbe-     zogenen    Eltern    sowie    Schülerinnen    und    Schüler    gehen    in    ihrer    übergroßen    Mehrheit   davon    aus,    dass    eine    Schule,    die    den   Schülerinnen    und    Schülern    ein    Mehr    an    Zeit     anbietet,    ihnen    deutlich    bessere    Lernerfolgsaussichten    und    damit    auch    bessere     Chancen    im    Leben    bieten    kann.    Das   Städtische    Gymnasium    Löhne    möchte       wie    es    der    Vater    einer    Schülerin    aus    der    vierten    Grundschulklasse    im    Rahmen    der    intensi-    ven    öffentlichen    Debatte    formuliert   hat       den    „Kindern    ein    Jahr    längerer    Kindheit    und    mehr    Spaß    am    Leben“    zurückgeben    (Leserbrief    aus    der    Neuen    Westfälischen    vom    08.12.2010),    die    -    insbesondere   in    den    Jahrgangsstufen    sieben,    acht    und    neun       an    den  Grenzen    ihrer Belastbarkeit   arbeiten. Das   Städtische Gymnasium    ist   fest   davon    überzeugt,  dass: ein    Mehr     an    Zeit    vor    allem    den    Schülerinnen    und     Schülern,    aber    auch    den     Lehrerinnen    und    Lehrern    sowie    den    Eltern    nutzt,    weil    es    mehr    Raum    für    per-   sönliche Entwicklung und    dafür,   Erfahrungen zu    machen,   lässt; ein    Mehr    an    Zeit    zur    Entschleunigung    beiträgt,    die    Arbeitsverdichtung    verrin-    gert  und  Belastungen senken    kann. ein     Mehr     an     Zeit     bedeutsam     sowohl     für     Schülerinnen     und     Schüler     ist,     die     langsamer    lernen    als    andere,    als    auch    für    leistungsstärkere    Schülerinnen    und   Schüler,    denen    ein    Mehr    Zeit    einen    vertieften    Zugang    zu    den    Lerninhalten    er-     möglicht    und    ihnen    Raum    für    gedankliche    sowie    persönliche    Weiterentwick-   lung schafft. ein    Mehr    an    Zeit    dazu    beitragen    kann,    unsere    pädagogischen    Orientierungen,    wie    sie    im    Folgenden    entfaltet    werden,    erfolgreicher    umzusetzen,    weil    es    bes-    sere   Möglichkeiten    zu  einer Nachhaltigkeit   des   Lernens   gibt. Für  ein    Gymnasium der Zukunft  –  Pädagogische    Orientierung(en)   am SGL I. Orientierungspunkte    eines  pädagogischen   Konzepts   für   den    Schulversuch   G9   (neu) am    SGL Um    die    Möglichkeiten,    die    ein    „Mehr    an    Zeit“    unseren    Schülerinnen    und    Schülern,     aber    auch    den    Kolleginnen    und    Kollegen    und    Eltern    an    unserer    Schule    eröffnet,   aus-      zugestalten,      möchten      wir      unser      pädagogisches      Profil      an      drei      Leitlinien      orientieren.      Diese     Leitlinien     sind     die     „Schülerorientierung     im     Sinne     einer   Selbstverantwortung    für     das    eigene    Lernen“    (Kapitel    II.1),    das    Prinzip    „Verantwortlichkeit“    (Kapitel    II.2)    inner-     halb    der    Schulgemeinschaft    und    der    „Ausbau    von   Teamstrukturen“    (Kapitel    II.3)    in-    nerhalb    der    Schulgemeinschaft.    In    diesem    Zusammenhang    ist    es    uns    wichtig,    darauf    hinzuweisen,    dass    dies    für    unsere    Schule    heißt,   bereits    vorhandene    und    seit    Jahren    mit Erfolg durchgeführte    Projekte    zu    bündeln und    weiterzuentwickeln    (s.   Kapitel   III). 1.1 „Schülerorientierung“   im   Sinne   einer   Selbstverantwortung   für   das   ei-   gene   Lernen Als    Zentralkategorie    unserer    unterrichtlichen    Arbeit    hat    sich    auf    mehreren    pädagogi-     schen    Tagen    das    Prinzip    der    „Schülerorientierung“    herauskristallisiert.    Diesem   von     uns    als    pädagogische    Leitvorstellung    beschlossenen    Konzept    liegt    das    Modell    einer     Pädagogischen    Schulentwicklung    zugrunde,    wie    es    seit    langen    Jahren    zum   Beispiel     im    Rahmen    des    Bertelsmann-Projektes,    an    dem    unsere    Schule    teilgenommen    hat,     entwickelt    worden    ist.    Danach    setzt    Schulentwicklung    im    Zentrum    von   Schule     an     und      konzentriert     das     Veränderungsinteresse     auf     den     zentralen     Punkt:     auf     die     Verbesse-      rung     des      Unterrichts      angesichts      der     veränderten   Lebensverhältnisse    von    Schülerin-    nen   und  Schülern. „Alle    Schüler    schaffen    es.“    So    lauteten    die    Titel    (und    Forderungen)    zahlreicher    päda-     gogischer    Veröffentlichungen    bereits    Anfang    der    siebziger    Jahre.    Dass    dieses   Postu-     lat     vom     „System     Schule“     trotz     zahlreicher     Reformvorhaben     bis     in    die     heutige     Zeit     zu     wenig    eingelöst    worden    ist       wohl    erst    recht    nicht    vom     „System   Gymnasium“         bele-     gen     zahlreiche     empirische     Erhebungen     sowie     die     schulische     Realität     der     letzten     Jahrzehnte.     Schulen     scheinen     sehr     dem     Prinzip     der   „Defizitorientierung“     verhaftet     zu     sein.     Das     Prinzip     der     „Schülerorientierung“     wird     deshalb     von     uns     als     eine     Zentralka-     tegorie     verstanden,     die     die     Schulkultur   grundlegend     verändert,     weil     sie     nicht     nur     ei-     nen     methodischen     Wechsel     meint,     sondern     eine     Neugestaltung     der     Lernkultur     und     damit     auch     der     Rolle     von   Lehrerinnen    und    Lehrern    und    der    Bedeutung    der    Unter-    richtsgegenstände. Die    zunehmende    Bedeutungsrelativierung    des    Wissens    hat    das    Schulwissen    grund-     legend     betroffen.     Die     Erfahrung,     dass     Wissen     immer     rasanter     veraltet     und   immer     leichter    außerhalb    des   Subjekts    gespeichert    werden    kann,    führt    einerseits    dazu,    dass     die     Bedeutung     des     Unterrichtsinhalts     für     die     Schule     immer     klarer   begründet     werden      muss.     Diese     Erfahrung     macht     andererseits     darüber     hinaus     auch     sehr     deutlich,     dass      eine     nachhaltige     Kompetenzentwicklung     in     der   Wissensaneignung    darin    liegt,    ein    of-    fenes   Lernverhalten    im  Sinne eines   „lebenslangen    Lernens“ zu    entwickeln. Dies    bedeutet    in    seiner    Konsequenz,    dass    sich    die    Rolle    der    Schülerinnen    und    Schü-     ler    wandelt:    „Selbstverantwortung“    bedeutet    nicht    nur    eine    Veränderung    der   Unter-    richtskultur    „von    oben“,    sondern    beschreibt    auch    das    Ziel,    das    die    Schülerinnen    und    Schüler    „selbst“       und    das    meint    aus    eigener    Initiative       erreichen    sollen.   Nur    so     können    sich    die    Schülerinnen    und    Schüler    Wege    für    die    Zukunft    öffnen,    weil    eine     Kultur    des    Lernens    entsteht,    in    der    Eigenaktivität    das    Belehrt-Werden   ablöst    und    die    die    einzelnen    dazu    befähigt,   gewonnenes   Wissen    durchschaubar zu    machen. Die    Lehrerin    bzw.    der    Lehrer    als    Garant    fachlicher    Standards    wird    nicht    überflüssig,     der    Blick    soll    allerdings    verstärkt    darauf    gelenkt    werden,    dass    es    ein    weiteres   wichti-      ges     Ziel     ihres     Handelns     ist,     die     Entwicklung     reflexiver     Wissensformen     bei     Schülerin-      nen     und     Schülern     zu     initiieren     und     sie     für     die     Zeit-     und   Standortgebundenheit     von      Wissen      zu      sensibilisieren.     Wenn       selbstgesteuerte      Formen      des      Lernens      verbreitet     werden     sollen,     tritt     neben     die     Funktion     der   Wissensvermittlung    also    die    Funktion    der    Lernberatung. 1.2 Verantwortlichkeit Als    zweite    Zentralkategorie    zur    Gestaltung    der    Schulkultur    am    SGL    wählen    wir    das    Prinzip    „Verantwortlichkeit“.    Verantwortlichkeit    bedeutet    für    uns    Verantwortung    im   Umgang    mit    sich    und    allen    anderen    an    der    Schulgemeinschaft    beteiligten    Personen    und  Gruppen und    erstreckt    sich damit   über vier Dimensionen. Erstens    verstehen    wir    unter    dem    Begriff    „Verantwortlichkeit“    Sorgsamkeit    in    der    Ver-     antwortung    für    die    eigene    Person.    Darüber    hinaus    bedeutet    „Verantwortlichkeit“   für     uns    zweitens    die    Verantwortung    für    das    eigene    Handeln.    Die    dritte    Dimension,    auf     die    sich    „Verantwortlichkeit“    nach    unserem    Verständnis    erstreckt,    ist    die   Dimension     der    Verlässlichkeit    im    Umgang    mit    anderen.    Außerdem    bedeutet    „Verantwortlichkeit“     viertens    die    Übernahme    von    Verantwortung    für    die    Schulgemeinschaft   durch    Partizi-     pation    an    der    Gestaltung    des    Schullebens.    Hierbei    geht    es    einerseits    darum,    eigene     Interessen     wahrzunehmen     und     in     demokratische     Prozesse   einzubringen.     Darüber     hinaus    wollen    wir    den    Blick    schärfen    für    die    berechtigten    Interessen    und    Bedürfnisse     anderer   und    damit    solidarisches    Handeln    auch    über Schulgrenzen    hinweg fördern. Dieses    vierdimensionalen    Verständnisses    des    Begriffs    „Verantwortlichkeit“    umfasst     weit    mehr    als    seine    Umsetzung    in    Form    pädagogischer    Projekte    für    Schülerinnen   und    Schüler:    Nicht    nur    die    Unterstützung    bei    einer    gesunden    Lebensführung    z.    B.    durch    den    Schulsanitätsdienst    (Dimension    1,    Verantwortlichkeit    für    die    eigene    Per-   son),     das     Engagement     im     Buddy-Programm     (Dimension     2,     Verantwortlichkeit     für     das     eigene     Handeln),     die     Verlässlichkeit     der     Schullaufbahn     (Dimension     3,   Verantwort-     lichkeit     im     Sinne     von     Verlässlichkeit)     oder     die     Planung     von     Projekten     für     unserer     Partnerschule     in     Ghana     (Dimension     4,     Verantwortlichkeit     als   Partizipation    und    Soli-     darität)     können     gemeint     sein.     Vielmehr     meint     der     Begriff     der     Verantwortlichkeit     so     verstanden    auch    beispielsweise    den    Respekt    vor    den   Bedürfnissen     anderer     zur     Schule     gehörender     Personen     und     Gruppen     oder     eine     lebhaften     Streitkultur     im     Geiste      des     gegenseitigen     Respekts     (Dimension     4,   Verantwortlichkeit    als    Partizipation    und    Solidarität). 1.3 Arbeit   in   professionellen   Teams Die    dritte    Leitlinie    unseres    pädagogischen    Konzepts    soll    die   Arbeit    in    professionellen    Teams    und    der    weitere    Ausbau    von    Teamstrukturen    in    unserer    Schulgemeinschaft   sein. Wir     möchten    in    die    Entwicklung    unserer    Arbeit    die    Kenntnisse    und    Anregungen    einer     möglichst    breiten    Basis    interessierter    und    engagierter    Kolleginnen    und    Kollegen   ein-     beziehen.    In    den    letzten    Jahren    ist    eine    Vielzahl    von    unterschiedlichen    Projekten    (s.    u.)    durch    die    Initiative    einzelner    Kolleginnen    und    Kollegen    angeregt    worden.   Dieses     Potenzial    gilt    es    nun    gemeinsam    im    Sinne    einer    Schülerorientierung    zu    bündeln    und     weiter    zu    entwickeln.    Außerdem    kann    eine    Schule,    die    ihr    Ziel    in    der   Wissensaneig-    nung    als    „Kompetenzentwicklung    für    offenes  und    lebenslanges   Lernen“    definiert,   sich    selbst   nur als   eine offene    und    lernende Organisation verstehen. Auch    die    „Entwicklung    selbstreflexiver    Strukturen“    möchten    wir    nicht    nur    vermitteln,     sondern    auch    in    unserer    Arbeit    umsetzen.    Dafür    sollen    Ziele    gemeinsam    geklärt   werden,    bevor    wir    Zielvereinbarungen    formulieren.    Für    die    spätere    Evaluation    unse-     rer   Zielvereinbarungen   möchten    wir    Feedbackformen    als    selbstreflexives    Moment zur     Standortbestimmung     nutzen.     Damit     soll     nicht     nur     auf     der     Unterrichtsebene,     sondern     auch     auf     der     Ebene     der     Kollegialität     die     Idee     der     Förderung     von   Selbstverantwort-    lichkeit   umgesetzt   werden. II. Vorstellungen   für    die  Umsetzung   unserer   pädagogischen   Leitlinien   im    Unterricht Wie      dargestellt     sollen     die     Leitlinien     „Schülerorientierung     im     Sinne     einer     Selbstver-     antwortung     für     das     eigene     Lernen“,     „Verantwortlichkeit“     und     der     „Arbeit     in   professio-     nellen    Teams“     verwirklicht     werden,     indem    sowohl     bewährte     Projekte     gepflegt     als     auch    neue    Wege     beschritten    werden.    Damit    wollen    wir    das    „Mehr    an   Zeit“,    das    der    Schulversuch    G9    (neu)    uns    einräumt,    sinnvoll    im    Sinne    aller    Mitglieder    der    Schulge-    meinschaft   nutzen. Dabei     soll     sich     das     gymnasiale     Profil     unserer     Schule     einerseits     in     den     Bereichen     der     fachlichen     und     andererseits     in     der     überfachlichen     Bildung     realisieren.   Grundlegend     dabei    sind    die    wissenschaftspropädeutische    Ausrichtung    mit    dem    Ziel    der    Studierfä-     higkeit.    Nichtsdestotrotz    führen    die    dargestellten    pädagogischen   Leitlinien     zu     einer     Akzentverschiebung     von     einer     Lehrkultur     hin     zu     einer     (Selbst-)Lernkultur.     Ein     we-     sentliches    Anliegen     unserer     pädagogischen    Arbeit     ist     die   systematische    Weiterent-    wicklung des Prinzips  des Eigenverantwortlichen Arbeitens   und Lernens   (EVA). Folgende    Aspekte    stehen    dabei    für    uns    im    Vordergrund:    Der    Unterricht    fördert    und    fordert    die    Handlungs-    und    Entscheidungsfähigkeit    der    Schülerinnen    und    Schüler,   indem    diese    z.    B.    durch    Sprechanlässe,    Lernprodukte,    Recherchen,    Präsentationen    zu    Handelnden    werden.    Die    Lehrer    und    Lehrerinnen    rücken    damit    in    den    Phasen   ei-     genverantwortlichen     Arbeitens     aus     dem     Zentrum     des     Lerngeschehens.     Sie     über-     nehmen    dort    stärker    die    Rolle    eines    Beraters,    Partners,    Moderators    und   Arrangeurs    von    Lernsituationen.    Hierbei    erfolgt    das    Lernen    unter   Ausnutzung    aller    Kanäle    (audi-    tiv,    visuell,    haptisch,    sozial).    Kommunikation    und    Kooperation    zwischen   den     Schüle-     rinnen     und     Schülern     wird     aufgebaut,     Partner-     und     Gruppenarbeit     sind     die     wesentli-     chen     Sozialformen.     Strukturelles     Methodenlernen     führt     die   Schülerinnen    und    Schüler     an    die    Lösung    vielseitiger    Aufgaben    heran,    die    auf    die    Unterschiedlichkeit    und    Ganz-     heitlichkeit    der    Schülerinnen    und    Schüler    Rücksicht   nehmen    (Innere    Differenzierung    in    heterogenen    Gruppen). Allerdings    wird    Eigenverantwortliches    Arbeiten    und    Lernen    im    schulischen    Rahmen     oft    zu    einseitig    in    die    typischen    Schritte    von    der    Informationsbeschaffung    bis    zur   Dar-     stellung     reduziert.     Selbständiges     Lernen     besteht     vielmehr     in     der    Aneignung     eines     neuen     Inhalts,     Fachgebiets     oder    der    Einübung    einer    Fähigkeit,    also     in   „Lernen“    im    engeren    Sinne.    Deshalb    ist    Selbständiges    Lernen    auf    Methoden    angewiesen.    Diese     Methoden    müssen    mit    den    Schülerinnen    und    Schülern    gemeinsam   entwickelt    und    trainiert    werden.    Methodentraining    meint    hier    das    systematische    Einüben    elementa-     rer    aber    auch    anspruchsvollerer    Lern-    und    Arbeitstechniken.    Das   beginnt    an    unserer     Schule    bereits    in    der    Jahrgangsstufe    5    und    setzt    sich    kontinuierlich    in    den    darauf    fol genden     Jahrgangsstufen     fort.     Durch     diese     Stärkung     von   Eigenverantwortung    und    Selbstständigkeit    sollen    unsere    Schülerinnen    und    Schüler    zur    selbstbestimmten    Bewältigung zentraler Lebensaufgaben befähigt   werden. Die    Entscheidung,    den    Schülern    und    Schülerinnen    wieder    mehr    Zeit    zu    lassen,    be-    deutet    für    unsere    Schule    wie    bereits    gesagt    nicht,    auf    „gymnasiale    Standards“   zu     verzichten.     Selbstverständlich     stellen     wir     weiterhin     eine     solide     Ausbildung     im     Fach      Deutsch,     in     den     Fremdsprachen,     in     Mathematik,     in     den     Natur-     und   Gesellschaftswis-     senschaften    sicher.    Selbstverständlich    setzen    wir    weiterhin    unsere    musisch- künstlerischen     Schwerpunkte.     Selbstverständlich     halten     wir     fest     am   Prinzip    des    wis-     senschaftspropädeutischen    Arbeitens,    also    an    einer    zielgerichteten    Vorbereitung    auf     ein     Studium     und     auf     die     Arbeitswelt.     Nur     weil     Zeit     größer   geschrieben    wird,    wird   „Leistung“    nicht    klein    geschrieben.    „Leistung“    ist    zudem    mehr    als    der    Quotient    von    Arbeit    durch    Zeit.    Lernen    lässt    sich    unserer    Meinung    nach   nicht    mit    der    Stoppuhr    messen.    Auch    wenn    Zeit    größer    geschrieben    wird,    wird    „Leistung“    nicht    klein    ge-    schrieben. Die    Umsetzung    unserer    pädagogischen    Leitlinien    orientiert    sich    im    Hinblick    auf    die   „Schülerorientierung    im    Sinne    einer    Selbstverantwortung    für    das    eigene    Lernen“    an   der  Vorstellung, dass     das    Methodenrepertoire    vor    allem    um    Formen    des    selbstreflexiven    Ler-    nens   erweitert    werden    muss,   die    die    Schüler    und    Schülerinnen    dazu    anleiten,    das   eigene    Lernen zu    planen,   zu    beobachten,   zu  kontrollieren und    zu    evaluieren; dass     Schülerinnen    und    Schülern    im    Sinne    der    Verantwortlichkeit    für    das    eige-    ne    Lernen    und    der    individuellen    Förderung    (s.    o.)    stärker    in    die    Gestaltung    des   Unterrichts    einbezogen    werden.    Dies    entspricht    einem    Gedanken    von    individuel-     ler    Förderung,    die    einen    Ist-Zustand    diagnostiziert,    den    der    Lernende    mitbringt   und    auf    dessen    Basis    der    Lernprozess    in    Zusammenarbeit    von    Lernenden    und    Lehrenden    geplant   wird; dass     die    Rolle    von    Lehrerinnen    und    Lehrern    sich    hin    zu    BeraterInnen-    und    ModeratorInnen erweitert; dass     alle    Mitglieder    der    Schulgemeinschaft    ihr    Lernen    als    lebenslanges    Ler-    nen    verstehen. Die    Umsetzung    unserer    pädagogischen    Leitlinien    orientiert    sich    im    Hinblick    auf    die „Veranwortlichkeit“    an   der  Vorstellung, dass     alle    Mitglieder    der    Schulgemeinschaft    für    ihr    Handeln    und    dessen    Aus-    wirkungen    auf   sich    selbst   und andere    verantwortlich    sind; dass     die    Schule    nicht    nur    als    Lernort    erlebt    wird,    sondern    auch    als    Lebens-    raum,   der  in Verantwortung von    allen Beteiligten    gestaltet   werden muss. Die Umsetzung unserer pädagogischen Leitlinien orientiert sich im Hinblick auf die „Arbeit in professionellen Teams“ an der Vorstellung, dass     der    Ausbau    von    Teamstrukturen    dazu    führt,    dass    eine    möglichst    breite     Basis    von    Kolleginnen    und    Kollegen,    Eltern    sowie    Schülerinnen    und    Schülern    an   der  Gestaltung des Schullebens   mitwirkt.    III. Skizze   zur    Umsetzung   des    pädagogischen   Konzepts Das    folgende    Kapitel    „Skizze    zur    Umsetzung    des    pädagogischen    Konzepts“    stellt,     wie    der    Titel   bereits    andeutet,    keinen   Anspruch    auf    eine    vollständige    Darstellung aller     Projekte     an     unserer     Schule,     in     denen     die     in     den     Kapiteln     „Schülerorientierung“,     „Ver-     antwortlichkeit“     und     „Arbeit     in     professionellen     Teams“     formulierten   Vorstellungen    be-     reits   umgesetzt   sind. Vielmehr    soll    es    im    Folgenden    darum    gehen,    beispielhaft    ausgewählte    Projekte    vor-     zustellen,    an    denen    sich    zeigen    lässt,    wie    sich    die    theoretisch    formulierten   Leitlinien    in    der    Praxis    umsetzen    lassen    und    die    sich    an    unserer    Schule    bereits    einer    gewissen    Tradition erfreuen. Zur    Darstellung    einer    möglichen    Umsetzung    des    Prinzips    der    „Schülerorientierung“    in     der    oben    verstandenen    Art    und   Weise    sind    die    Projekte    „Durchführung    eines   Sprech-    tags    für    Schülerinnen    und    Schüler“    und    „Komm    mit“    ausgewählt    worden    (Kapitel    IV.1).    Die    Umsetzung    der    Leitlinie    „Verantwortung“    wird    stellvertretend    für   viele    ande-     re     an     den     Projekten     „Buddy-Programm“,     „Schulsanitätsdienst“     und     „Schulpartner-     schaft     mit     Ghana“     veranschaulicht     (Kapitel     IV.2).     Die     „Arbeit     in   professionellen    Teams“   wird    am  Beispiel  der  „Orchesterklassen“ erläutert   (Kapitel   IV.3). 3.1 Zur   Umsetzung   von   Schülerorientierung Im    Rahmen    einer    Erziehung,    die    unsere    Schülerinnen    und    Schüler    befähigen    soll,    Verantwortung    für    die    eigene    Person    sowie    das    eigene    Lernen    zu    übernehmen,   kommt    der    individuellen    Beratung    und    Förderung    eine    besondere    Bedeutung    zu.    An    unserer    Schule    dienen    dazu    u.    a.    S CHÜLERSPRECHTAGE ,    in    deren    Mittelpunkt   das    Ge-    spräch    zwischen    Lehrenden